NZZ über Elena Moosmann «So offensiv wie Rory McIlroy»

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Die NZZ über die 17-jährige Schweizer Amateurin vor dem Profiturnier der LET-Access in Bossey.

© Neue Zürcher Zeitung; 14.08.2019
Elena Moosmann ist erst 17-jährig und trotzdem meistens die beste Schweizer Golferin

Stefan Oswalt 

Auf dem Weg in den Final des Profiturniers in Gams im letzten Mai musste Elena Moosmann einen Putt aus acht Metern einlochen. «Nervös gewesen, Elena?», wurde sie danach gefragt. «Sie ist prinzipiell nie nervös», stellte Marc Campos klar, einer ihrer Coachs. «Doch, doch, da war ich nervös», sagt die Zugerin drei Monate später im Rückblick. Aber sie traf das Loch, erreichte den Final und gewann das im Matchplay-Modus ausgetragene Turnier – als erste Schweizerin und als erst 17-jährige Amateurin.

Wieder in die Schule

Seither hat sie weitere Anlässe auf der LET-Access-Tour, der zweiten europäischen Profiliga, absolviert und war stets im ersten Dutzend und als beste Schweizerin klassiert – bis vorletzte Woche in Tschechien, wo die rund doppelt so alte (und doppelt so erfahrene) Caroline Rominger mit einer traumhaften Schlussrunde Zweite wurde. Moosmann klassierte sich als Elfte. Ab Mittwoch spielt das junge Talent in einem weiteren Profiturnier in Frankreich, gleich jenseits der Schweizer Grenze. Dann beginnt die Schule wieder.

Elena Moosmann besucht das Sportgymnasium in Luzern, das ihr die Freiheiten gibt, die sie zur Ausübung ihres Sports braucht – dafür dauert es ein Jahr länger bis zur Matura, die für 2022 geplant ist. Und danach, heisst es in der Szene, werde sie wie die meisten ambitionierten Schweizer Amateurinnen in einem amerikanischen College ein Stipendium annehmen, das ihr nicht nur einen Studienabschluss, sondern auch ideale Bedingungen fürs Golfen bietet. «Das warten wir mal ab», beschwichtigt Moosmann, «wer weiss, was bis dahin alles passiert.» Angebote aus den USA hat sie noch keine erhalten, weil das erst ab dem zweitletzten Schuljahr gestattet ist.

Unbestrittenes Ziel der jungen Frau ist einzig die Matura – und die Teilnahme am olympischen Golfturnier. «Wenn nicht 2020, dann 2024», sagt sie, ohne zu wissen, wie die Kriterien für eine Olympiaqualifikation lauten. «Ich muss einfach möglichst gut spielen – dann sehen wir, ob das reicht.»

So einfach scheint für den Teenager das sportliche Dasein, und entsprechend viel Ruhe strahlt sie aus, wenn sie auf dem Platz steht oder über sich spricht (und noch viel lieber über Golf). «Ich darf tun, was ich am liebsten tue», formuliert sie ihr unkompliziertes Verhältnis zum anspruchsvollen Sport, nicht ohne zu betonen, dass sie auch andere Sportarten betreibe: Tennis, Fussball, Unihockey. Sie möge alles, was mit Bällen zu tun habe. Und die Driving Range ist nicht ihre einzige Trainingsstätte. Viermal pro Woche steht Fitnesstraining auf dem Programm, Bauch, Beine und Po wollen gestärkt sein, damit der Golfschwung stabil ist. Der ist so gut, dass die Statistik ihr ein Handicap von plus 5 attestiert – das heisst, sie muss, um ihr Handicap zu erreichen, fünf Schläge unter dem Platzstandard spielen. «Fünf Komma irgendwas – das ändert so rasch», sagt sie zu ihrem Wert, mit dem sie alle Rekorde gebrochen hat.

Bis auf weiteres verläuft ihre Karriere im Schoss des Verbandes, der die Reisespesen für internationale Events übernimmt; sie trainiert jede Woche einmal mit den Kollegen und Kolleginnen im nationalen Kader, wo ein leistungsförderndes Konkurrenzdenken vorherrscht; und zwei Coachs von Swiss Golf sind bei Auslandanlässen auch Reiseleiter. Die Mutter – «eine gute Golferin», sagt die Tochter – ist manchmal ebenfalls dabei, wenn es ihre Arbeit erlaubt. In Holzhäusern, auf ihrem Heimplatz, erhält Elena Moosmann die Range-Bälle gratis und kann die Übungsanlagen umsonst benützen. Sponsoren sind für die Amateurin noch nicht erlaubt.
 

240 Meter lange Abschläge

Elena Moosmanns Vorbild ist Rory McIlroy, der so offensiv spielt, wie sie es selber möglichst oft auch versucht. Mit dem nordirischen Weltklassemann mag sie sich nicht vergleichen, aber ihre Abschläge können sich mehr als nur sehen lassen: 240 Meter lang seien ihre Drives, berichtet sie – im Durchschnitt. Das sind gewiss 20 Meter mehr als der Mittelwert auf der europäischen Frauen-Tour.

Als ihre zweite Stärke nennt Moosmann das Putten. Schon als kleines Mädchen habe sie die Bälle im Minigolf besonders gut im Loch versenkt. Driver und Putter sind darum folgerichtig ihre Lieblingsschläger, auch auf jenem letzten Grün im Halbfinal von Gams war es schliesslich der Putter, der sie im Turnier hielt.