Swiss Hickory Golf Club: elegant-entspannt

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Der Verein ist noch sehr jung, das Spielmaterial aber umso älter: Der Swiss Hickory Golf Club verschreibt sich dem Spiel mit Knickerbocker, Hemd und historischen Schlägern. Dabei zählt ausschliesslich der gemeinsame Genuss, Preise oder Ranglisten gibt’s grundsätzlich nicht.

„Klar fallen wir auf, wenn wir so auf einem Golfplatz auftauchen, aber bisher gab es ausschliesslich positive Reaktionen und fast überall wollen einige gleich mitspielen“, erzählt Josef Lauber, erster Präsident des jungen Swiss Hickory Golf Clubs. „So“ heisst im konkreten Fall von Kopf bis Fuss auf Nostalgie eingestellt: im langärmligen Hemd samt Krawatte, mit Schiebermütze, aber natürlich auch den klassischen Knickerbockern samt Kniestrümpfen. Besonders stolz ist Lauber auf die vielen Originalsets aus der Zeit vor 1925: „Unsere aktuell gut 40 Mitglieder spielen mit den alten Eisen. In der Regel werden die Köpfe sanft restauriert, mit neuem Hickory-Holz zusammengefügt und die Schläger oben mit Kuhleder eingewickelt“, erläutert der gelernte Uhrmachermeister, der sich in seiner Freizeit seit drei Jahren vorwiegend um die Aufbereitung von Hickory-Schlägern kümmert. Das Material und die Geschichten drum herum seien für ihn „total faszinierend“. In seiner Privatwerkstatt im Keller könne er hervorragend vom Alltag abschalten, sagt der Geschäftsführer des Uhren- und Schmuckspezialisten Bucherer in Davos. Aus seinem Fundus von über 300 Originaleisen hat er rund 60 alleine in diesem Winter wieder spielbereit gemacht.
 
Hickory: früher der Standard
Das Holz des Hickory-Walnussbaums wurde schon von den Indianern für Pfeil und Bogen eingesetzt. Bis Anfang der 30er Jahre war Hickory im Golf der Standard, bevor dann die Stahlschäfte erlaubt wurden. „Weiter, genauer und einfacher“ lautete danach das Motto im modernen Golf. Erst in den letzten Jahren fand das „historische“ Golf erste Anhänger auch bei uns in der Schweiz. Lauber hat es bei einem Trip nach St Andrews im August 2012 gepackt (siehe Box). Für ihn ist Hickory-Golf vor allem „total entspannt“. „Das beginnt beim leichten Tragebag mit bloss einem Holz, vier Eisen und einem Putter und setzt sich fort bis zum Spiel, bei dem es bei uns nie um Punkte oder Ranglisten geht. Wir wollen wirklich nur unseren Spass. Den haben wir jedes Mal.“ Zum Ritual gehört der kleine Whisky vor dem Spiel ebenso dazu wie die elegante Zigarre danach. Entsprechend bleiben die Herren im Alter zwischen 21 und 66 lieber unter sich. Die Generalversammlung bestimme jedes Jahr über die Zahl der Neumitglieder, erläutert Lauber, zudem benötige man zwei „Göttis“, die einen empfehlen. „Wir wollen bewusst überschaubar bleiben, aber Gäste sind ebenfalls herzlich willkommen“, erläutert er die Philosophie des aktiven Clubs. In der Saison wird in der Regel zweimal pro Monat zusammen gespielt und gegessen. „ENJOY THE WALK“ heisst das offizielle, mittlerweile sogar geschützte Motto – statt Turnierstress einfach nur gemütlich, aber elegant geniessen.
Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört beispielsweise auch Felix Meier. Mit seinen Strokesavern als bekanntestem Course-Guide bedient er sich im Alltag der modernsten Mittel, als Hickory-Golfer geht es ihm um das pure und ursprüngliche Erlebnis: „Hier spielen die Distanzen eine kleinere Rolle und es braucht viel mehr Gefühl“, illustriert Meier den wichtigsten Unterschied zu herkömmlichem Spielmaterial. „Die Hickory-Schäfte sind deutlich weicher als die heutigen, so muss man sanfter und mit noch weniger Kraft schwingen, aber die Resultate sind immer noch erstaunlich“, erzählt Meier. „Wenn man den kleinen Sweetspot trifft, fühlt es sich sensationell weich an“, fügt der Beisitzer im Vorstand des Swiss Hickory Golf Clubs hinzu. Meier spielt seine auf eBay gekauften Originale nicht nur bei den offiziellen Events: „Etwa wenn ich mit meinem zwölfjährigen Sohn eine Runde drehe, dann passt das perfekt. Ich würde sogar sagen, das Trainieren und Spielen mit den Holzschlägern gibt mir auch sonst noch mehr Ballgefühl.“
 
Zum Mieten bereit
Wer das spezielle Spiel mit den alten Schlägern selber erleben will, kann sich das Material im hochprofessionellen Shop des Clubs kaufen. Zum Ausprobieren stellt der Verein sein Material aber auch zum Mieten zur Verfügung. Für bloss 65 Franken pro Tag erhalten Interessierte ein Originalset samt Bag sowie sechs passende Bälle. Die Schläger haben keine Nummern wie heute, sondern Namen. Das „Wood“ und der Putter sind klar, bei den Eisen spricht man von Niblick (etwa Pitching-Wedge), Mashie-Niblick (etwa Eisen 8), Mashie (etwa Eisen 7/6) und Mid-Iron (etwa Eisen 6/5). Die passenden Knickerbocker, ein Flatcap und Socken sind in den 65 Franken Miete ebenfalls enthalten. Nur das Hemd und die Fliege oder Krawatte fehlen dann zum perfekten Hickory-Look. Maximal 16 Sets für Rechtshänder und drei für Linkshänder hält Lauber bereit. Sollte jemandem ein Schaft brechen, so werden 50 Franken für die rund sechs Stunden (!) dauernde Reparatur verrechnet. Wichtig zu wissen: Damit die Hölzer nicht platzen, dürfen nur ganz weiche Bälle gespielt werden.
Weitere Informationen gibt es unter:
www.swisshickorygolf.ch
 

 
Gegründet im „Home of Golf“
 
An das Resultat kann sich Josef Lauber noch genau erinnern: 84 Schläge, davon fünf Putts auf dem letzten Grün. Viel wichtiger als seine Anzahl Strokes war für Lauber aber das spezielle Erlebnis auf dem Old Course in St Andrews: „Aus Ehrfurcht dem Platz gegenüber spielten Bruno Müller (unser jetziger Kassier), ein Freund aus der Primarschulzeit und ich in historischen Outfits, natürlich mit Original-Hickory-Schlägern. Wir haben jedes Loch genossen und noch auf dem letzten Grün war uns klar: So entspannt sollte Golf immer sein“, erzählt der 51-Jährige. Lauber war mit einer 20-köpfigen Freundesgruppe in St Andrews, nur dank seinen guten Beziehungen zu Rolex konnten sie den Old Course spielen. Schon im „Home of Golf“ waren die meisten Freunde überzeugt, dass es einen eigenen Verein für die Freunde des Hickory-Golfs in der Schweiz braucht. So wurden gleich im Pub die ersten Statuten definiert und von den 14 Gründungsmitgliedern unterzeichnet. Mittlerweile gilt der Swiss Hickory Golf Club als grösster und aktivster Verein der kleinen Schweizer Szene. Stilecht gibt es eigene Canvas-Golftaschen, Golfbälle, Clubsakkos, Krawatten und einen eigenen Limited-Edition-Club-Whisky.
Die ersten Hickory-Turniere hierzulande organisierte der gebürtige St. Moritzer Unternehmer Enrico Degiacomi 2011 im Engadin. Im Sommer 2012 gründete er die Association of Hickory Golfers. Diese umfasst laut Degiacomi aktuell knapp 50 Golfer. Auch für das laufende Jahr ist eine Swiss Hickory Tour geplant und im Juli finden zum fünften Mal die Swiss Hickory Championship Days statt.
 

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